Hauptsächlich Birne

Seit einigen Tagen schmecken die gärenden Grauburgundermoste schon mehr nach Wein als nach Traubensaft, das letzte verbleibende Drittel des Zuckergehaltes dürfte jetzt von den Hefen angegriffen werden. Wie auch in anderen Jahren schwebt im Keller bis in die Wohnung hinauf ein überaus deutlicher Geruch nach schmelzigen, fast überreifen Williamsbirnen. Als Gärtemperatur habe ich 18,5 °C eingestellt; der gewählte Wert ist nach meiner Erfahrung ein akzeptabler Kompromiss zwischen einer sicheren (Aus-) Gärung und einem möglichst geringen wärmebedingten Aromaverlust. Zudem kann ich mit den für Kaltgärungen einhergehenden „Gletschereis„-Aromen wenig anfangen.

Der Chardonnay ist in der Zwischenzeit auch zu mehr Wein als Most geworden, im Tankdom riecht man deutlich tropische Früchte. Nachdem er mengenmäßig aber etwas weniger als die Hälfte der erstgenannten Sorte ausmacht, tut er sich schwer, die Lufthoheit im Keller zu erlangen.

Übrigens, eine Einrichtung zum Absaugen der Gärgase ist im Keller eingebaut. Ein Timer schaltet sie in bestimmten Abständen immer wieder ein, so dass ein gefahrenloses Betreten des Kellers immer möglich ist.

Weinlese im Eilverfahren: Chardonnay Ogeaner

Irgendwie bin ich schon etwas stolz auf unsere Chardonnay-Anlage Ogeaner. Am südlichsten Rand der Gemeinde Margreid und damit fast an der Landesgrenze gelegen, stellt sie mit ihren überwiegend über 60 Jahre alten Stöcken einen markanten Mosaikstein im Gebilde unseres Betriebes dar. Zudem war es das erste Grundstück, das mein Vater, seinerzeit schon mit dieser Sorte bestockt, in den 50er Jahren erworben hat. Der Boden ist ein sehr durchlässiger Flinsboden, wie in die Etsch im Laufe der unzähligen Überschwemmungen vor ihrer Regulierung generiert hat.

Das Erziehungssystem (im Bild ein Foto aus dem vorigen Jahr) ist, entsprechend dem Alter des Weingartens, eine einfache Pergl mit Nord-Süd-Ausrichtung. Die Qualitäten, welche diese Anlage liefert, sind sehr konstant; die Weine weisen immer die Chardonnay-typische Banane- und Ananas-Noten auf, die Säure ist nie zu tief. Auch wenn mir der Ausdruck gar nicht gefällt, so sagen viele Koster diesen Weinen eine bemerkenswerte Mineralität nach (und sind ganz verwundert, wenn ich ihnen die Herkunft des Weines verrate).

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Kalt erwischt

Die Kollegen aus dem Weinviertel oder von der Mosel beispielsweise werden dafür nur ein müdes Lächeln übrig haben, aber für uns im südlichen Bozner Unterland sind Mosttemperaturen von unter 20 °C eher selten, jene um die 10 °C eine Ausnahme. Positiv für Brieftasche und Ökobilanz ist, dass die Kühlung nicht lange braucht, um die von mir angestrebte Temperatur während der Klärung von 10 °C zu erreichen. Probleme bereitet hingegen die Tatsache, dass der Gärraum auch kühler ist, und die Moste sich nach dem Entschleimen nur sehr zögerlich von selbst erwärmen und deshalb mit der Beimpfung zugewartet werden muss. Unter Südtiroler Bedingungen, d.h in der Regel bei hohen pH-Werten und tiefer Mostsäure,  können sich unter Umständen bis Gärbeginn lästige Mikroorganismen, welche der schwefeligen Säure trotzen, entwickeln und im späteren Wein unsaubere bis flüchtigen Noten hinterlassen.

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Begonnen! So spät wie noch nie…

Zumindest nicht, so weit ich mich erinnern kann. Voriges Jahr haben wir fast vier Wochen früher die Lese in Angriff genommen. Sicher, 2007 war mit 2003 wahrscheinlich das zeitigste überhaupt seit langem, aber in den sogenannten normalen Jahren haben wir immer so um den 10. September mit dem Ruländer, wie wir immer den Grauen Burgunder genannt haben, angefangen. Dem entsprechend war das Wimmen der ersten weißen Sorten immer eine Schwitzpartie vom vormittag an, heuer war es hingegen nicht nur kühl, sondern richtig kalt. 7 °C wurden in der Talmitte am Morgen gemessen, dementsprechend stark war die Taunässe auch noch am späten Vormittag (Bild).

Eine spätere Reifeperiode bewirkt kühlere Nächte, was den physiologisch bedingten Abbau der Äpfelsäure in den Trauben deutlich verlangsamt. Die landesweit vorgenommen Reifetests des VZ Laimburg sagten diesen Sachverhalt für heuer schon früh voraus.

Freitag (19.9.) und Samstag (20.9.) wurden, wie gesagt, die Ruländer-Trauben auf dem Klausner gewimmt. Wie immer war rundherum schon alles „Weiße“ – in der Großlage Punggl wird hauptsächlich Grauer und Weißer Burgunder sowie Chardonnay angebaut – schon seit mehr als einer Woche abgeernet.

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Big Consumer is watching me

Der aufmerksame Blogleser, welcher auch der Seitenleiste Aufmerksamkeit schenkt, wird es schon bemerkt haben: eine Webcam ist installiert worden. Einiges an Bastelei hat es softwaremäßig schon gebraucht, aber die html- und php-Community hat mich zum Glück nicht im Stich gelassen.

Vorerst ist die Webcam im Keller montiert, in Zukunft können auch andere Bereiche dem Interessierten zugänglich gemacht werden. Authentizität und eine Art der Kommunikation, die das in die Karten schauen ermöglicht, sind die Stärke von uns Kleinen, nützen wir die Chanche!

Sollten Problem technischer Art auftreten, bitte teilt es mir mit, momentan ist das ganze mit einer Betaphase vergleichbar. Sehr oft wird die Kamera auch nicht online sein, da ich nur über ein Gerät verfüge und dort, wo si fix montiert ist, nicht immer was los ist, bitte seien Sie deshalb nicht enttäuscht. Natürlich ist sie auch abgeschaltet, wenn ich was mit dem Weinen mache, das Sie, geschätzte Leserin und Leser, nicht sehen sollten…  😉

Pünktlich zu Lesebeginn, für heute wo wir mit dem Grauen Burgunder Klausner beginnen, ist alles fertig geworden. Viel Spass am Schauen!

Füllung (3) „Geschafft!“

Ereignisreiche Tage, mit ungewohnt vielen Personen am Hof. Alle habe aber mit viel Einsatz viele Stunden lang an einem Strang gezogen. Dafür sei Barbara, Martine, Franz, Hugo, Stefan, den beiden Andreas und natürlich Monika herzlich gedankt.

Eigenartiges Gefühl, den Keller, bis auf den den Merlot 07, auf einen Schlag komplett leer zu haben. Eine italienische Weinmacherin hat einmal das Füllen der Weine mit dem Auszug der Kinder aus dem Elternhaus verglichen. Bis dorthin hat man einen gewissen Einfluss auf deren Entwicklung, danach sind sie auf sich selbst gestellt und man ist gespannt und natürlich auch etwas besorgt hinsichtlich ihrer zukünftigen Entwicklung.

Füllung (2) „Immer den Wagenheber mitnehmen!“

WagenheberWaren es im vorigen Jahr die ersten von uns getesteten Anroller, vorige Woche die für die Maschine zu weit geklebten Rückenetiketten (inzwischen auch dank Elmar innerhalb von drei Tagen nachgedruckt), so rateten wir diesmal, vom Sarkusmus inzwischen durchdrungen, was es heute denn sein könnte, das ein normales Füllen verhindern wird. So weit sind wir inzwischen schon.

Es kam wie es kommen musste, am Abend waren wird aber doch glücklich.

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Füllvorbereitungen (2) „Ich muss draußen bleiben“

Denn der Cross-Flow-Filter ist zu hoch für mein Kellertor. Wirklich blöd, wenn man tatsächlich nur eine umgebaute Garage, seinerzeit für Traktor und mehrere Anhänger gebaut, als Keller sein eigen nennen kann. Weiterlesen

Füllvorbereitungen (1) „Abzüge, Abzüge, Abzüge, …“

Abzug Pièces
Die Weine lange auf der Feinhefe zu belassen, gehört zum Ausbaustil unserer Weißweine. Die abgestorbenen Hefezellen setzen Inhaltsstoffe frei, welche sich positiv auf das Mundgefühl auswirken sollen und die Langlebigkeit der Weine soll zahlreichen Praktikern zufolge auch gesteigert werden. Weiterlesen